Am 30. Juni 1902 wurde die Chemnitztalbahn Chemnitz - Wechselburg feierlich eröffnet. 9.25 Uhr verließ ein geschmückter Sonderzug mit zwei Lokomotiven und zwölf Wagen den Chemnitzer Hauptbahnhof. Um 11.04 Uhr hatte er die 27,5 Kilometer bis Wechselburg zurückgelegt. Eine Stunde später dampfte der Zug nach Markersdorf-Taura zurück (Foto rechts). Dort stiegen die Fahrgäste aus, um im bekannten Gasthof "Carolapark" zu feiern. Da König Albert von Sachsen kurz zuvor gestorben war, mussten alle Vertreter von königlichen Behörden der Einweihung fernbleiben.

Die Fabrikanten und Einwohner des Chemnitztales nahmen ihre Eisenbahn ab 1. Juli 1902 dankbar an. Laut Fahrplan gab neun Zwischenstationen: Glösa, Heinersdorf, Unterwittgensdorf, Auerswalde, Markersdorf-Taura, Schweizerthal-Diethensdorf, Mohsdorf, Stein und Göritzhain. Die Unternehmen an der Bahn florierten in der Folgezeit weiter. So z. B. die Färberei Hermsdorf in Wittgensdorf, die Textilmaschinenfabrik Großer in Markersdorf, die Baumwollspinnerei Tetzner in Schweizerthal oder die Tapetenfabrik Scheerer in Göritzhain. Und die Industriearbeiter nahmen die Bahn rege in Anspruch. Kurz: Für alle im Chemnitztal war die "große weite Welt" näher gerückt.

Weniger Beachtung fand die 1,24 Kilometer lange Zweigbahn Glösa - Chemnitz-Furth, die nur dem Güterverkehr diente. Anschlussgleise erhielten die Sächsische Webstuhlfabrik am Schönherrpark und das Chemnitzer E-Werk an der Müllerstraße. Gleichfalls am 1. Juli 1902 konnte die Schönherr-Fabrik ihren 75.000. Webstuhl an den Kunden liefern - nun erstmals per Bahn. (Foto rechts)

Bis in die 20er Jahre ließ auch die Reichspost ihre Sendungen mit der Bahn transportieren. Schließlich war die Chemnitztalbahn auch eine wichtige Verbindungs- und Umleitungsstrecke. Jahrzehntelang rollten Sandzüge aus Colditz durch das Chemnitztal. Gelegentlich waren auch Eilzüge nach Leipzig oder schwere Kohlezüge unterwegs, wenn an der Hauptstrecke gebaut wurde.

Zum Betriebsmittelpunkt entwickelte sich der Bahnhof Markersdorf-Taura. Auch nach Übernahme der Strecke durch die Deutsche Reichsbahn 1920 veränderte sich im Chemnitztal wenig. Lediglich der Bahnhof Stein (Chemnitztal) wurde schon 1933 zum Haltepunkt zurück gestuft.

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Foto mit Zug in Markersdorf-Taura Eröffnungszug im Bahnhof Markersdorf-Taura nach der Ankunft aus Wechselburg.

Abbildung der Eröffnungsfahrkarte Diese "Ersttags-Fahrkarte" wurde 90 Jahre später als Reprint neu aufgelegt.

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Foto mit Webstuhl-Transport Eine V T holt den 75.000. Webstuhl von der Fabrik am Chemnitzer Schönherrpark ab.

Foto mit Güterzug in Wechselburg Güterzug mit Doppelbespannung sächsischer V T (spätere 89.2) im Bahnhof Wechselburg.

Foto mit Personenzug in Glösa Eine IV T (spätere 71.3) mit Personenzug nach Chemnitz im Bahnhof Glösa.

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